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Praxisgründung Carlotta Behrens und Pirmin Schwarz

„Was ist, wenn niemand kommt?“

Die Angst vor einer leeren Praxis treibt viele Neugründer:innen von zahnmedizinischen Praxen um. Carlotta Behrens und Pirmin Schwarz waren keine Ausnahme. Sie haben eine Praxis in Itzehoe eröffnet – und dabei wertvolle Erfahrungen gesammelt.

Kennengelernt haben sich Carlotta und Pirmin beim Zahnmedizinstudium in Jena. Die Schleswig-Holsteinerin und der Bayer wussten nicht nur sehr früh, dass sie gründen wollten. Sie wussten auch: „Wenn wir uns niederlassen wollen, dann in der Heimat – entweder in Bayern oder im Norden.“ So zogen sie nach dem Studium nach Hamburg und absolvierten ihre jeweiligen Assistenzzeiten in verschiedenen Praxen im Umland. Anschließend begaben sich die beiden auf die Suche nach der richtigen Immobilie – und hätten dabei beinahe einen Fehler gemacht.

Der Teufel steckt im Detail

Auf einer Immobilienplattform stieß Pirmin 2019 auf ein Objekt, das zunächst ungeeignet erschien. Der Grund: Es war mit 7 Zimmern inseriert – zu wenig für die ambitionierten Zahnmediziner:innen. 5 Behandlungszimmer, ein Wartezimmer, ein Labor, ein Büro, ein Technik- und ein Sozialraum – dafür war das Angebot nicht ausreichend. Im März 2020 stieß Pirmin erneut auf die Anzeige. Er warf einen zweiten Blick auf den Grundriss und entdeckte darunter in winzigen Buchstaben das Wort „Vorschlag“. Überrascht kontaktierte er den Vermieter, der ihm mitteilte, dass das Objekt noch nicht ausgebaut sei. Sie konnten die Anzahl der Räume also selbst bestimmen – eine perfekte Grundlage für die Praxisgründung.

Eine leere Fläche kann Segen und Herausforderung zugleich sein: Je mehr Möglichkeiten sich bieten, desto ausgiebiger muss die Planung sein. Carlotta und Pirmin haben für andere Gründer:innen einen wichtigen Tipp: „Sucht euch Hilfe von Profis!“ Nur anhand des Grundrisses lässt sich schwer erahnen, welches Potenzial die Räume bieten und ob sie überhaupt zu den eigenen Vorstellungen für die Praxis passen, sagt Carlotta. Pirmin ergänzt sofort: „Ist es technisch möglich? Was ist mit den Abflüssen?“ Auf dem Gründer Camp 2019 haben die beiden viel von anderen Praxisgründer:innen gelernt. „Man hat vorher oft gehört, woran man denken muss“, sagt Pirmin, „aber ob das hier reinpasst, wussten wir nicht.“

„Sucht euch Hilfe von Profis!“

Carlotta Behrens und Pirmin Schwarz
Praxisgründerin & Praxisgründer

Um nichts falsch zu machen, haben sich die junge Gründerin und der junge Gründer daher frühzeitig eine professionelle Dentalplanung erstellen lassen. „Unsere Ansprechpartnerin hat natürlich vorab nach Details gefragt“, sagt Carlotta. „Wir wollten immer 4 bis 5 Behandlungszimmer, 3 Plätze für uns und 2 für die Zahnreinigung. Außerdem brauchten wir ein kleines Labor“, erklärt sie. „Letztlich hat unsere Ansprechpartnerin 4 Behandlungszimmer eingeplant – das fünfte ist vorbereitet, und wir nutzen es als Büro.“ Das vierte Behandlungszimmer fungiert aktuell noch als zweites Wartezimmer. Dies soll sich aber schon bald ändern.

Das auf die Zahnmedizinbranche spezialisierte Bauunternehmen hat Carlotta und Pirmin besonders überzeugt. „Die wussten ganz genau, was sie tun. Welche Stühle kommen rein? Wollt ihr einen Power Tower? Welche Röntgengeräte wollt ihr? Was plant ihr zur Sterilisation? Wir haben viele Tipps bekommen, alle Anschlüsse haben gestimmt, das lief alles wirklich gut“, erzählt Pirmin begeistert. Carlotta fügt hinzu: „Die waren etwas teurer – aber letztlich gab es überhaupt keine Probleme. Wir hatten keine Ahnung, und die Wahl eines Bauunternehmens mit Erfahrung bei der Einrichtung von Zahnarztpraxen hat uns einiges erleichtert.“

Bei der Neueröffnung ihrer Praxis im November 2020 hatten die junge Gründerin und der junge Gründer noch Sorgen, ob ihr Projekt ein Erfolg werden würde. Bei einer Übernahme, so Pirmin, habe man „am Anfang ein gewisses Grundrauschen“ – zumindest ein kleiner Patient:innenstamm sei immer vorhanden. Bei einer Neugründung ist das nicht der Fall. „Ich hatte Angst davor, dass keine:r kommt“, sagt Pirmin ehrlich. Einen Vorteil bot ihnen die Standortwahl. „Es ist natürlich ein Pluspunkt, dass Carlottas Familie hier ist“, sagt Pirmin. Die Mutter der jungen Zahnärztin unterstützt die beiden als Quereinsteigerin am Empfang der Praxis.

Carlotta fügt hinzu, dass sich dadurch auch ein erster Patient:innenstamm ergeben habe: „Man ist natürlich kein Niemand, wenn man in seiner Heimat gründet. Es kommen Leute, mit denen man früher zur Schule gegangen ist. Ich habe 2 Schwestern, die auch Leute kennen – viele sind neugierig und kommen mal rum.“ Das sei deutlich angenehmer, als in einer fremden Stadt zu gründen. Dennoch waren die ersten 3 Monate hart. „Man gibt nur Geld aus. Bis wir die ersten 100 Patient:innen zusammen hatten, war es schwierig. Die Anlaufzeit haben wir genutzt – und viel Zeit damit verbracht, die Praxis aufzuräumen“, sagt die Gründerin lachend. „Auch wenn man immer wieder gesagt bekommt, dass diese Leerlaufzeiten anfangs normal sind, ist es eine Herausforderung, das wirklich zu verinnerlichen.“

Stark als Team

Im Praxisalltag nimmt Carlotta inzwischen vornehmlich Wurzelkanalbehandlungen und konservierende Eingriffe vor. Pirmin kümmert sich aufgrund seiner zusätzlichen Ausbildung als Zahntechniker um Prothetik, CAD/CAM-Behandlungen und den Betrieb des praxiseigenen Labors. Letzteres ist auch finanziell ein Vorteil – wenn die richtigen Voraussetzungen bestehen. „Ich allein könnte das CAD/CAM-System nicht so ausgiebig nutzen wie Pirmin“, erklärt Carlotta. Der Fokus der Praxis, fügt sie hinzu, liege auf dem Zahnerhalt. „Im Prinzip machen wir beide alles – und diese Abwechslung möchte ich nicht missen“, fasst sie zusammen. Die administrativen Aufgaben in der Praxis teilen sich die junge Gründerin und der junge Gründer untereinander auf – und entlasten sich damit gegenseitig. Ein weiterer Vorteil der Praxisgründung als Team: Da beide unterschiedliche Schwerpunkte haben, profitieren sie vom Fachwissen der und des jeweils anderen.

Zu den Personen

Carlotta Behrens und Pirmin Schwarz haben ihr Zahnmedizinstudium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena absolviert und Ende 2017 abgeschlossen. Berufserfahrung sammelten sie während ihrer jeweiligen Assistenzzeit im Hamburger Umland. Im Alter von 29 (Carlotta) und 33 (Pirmin) Jahren eröffneten sie in Itzehoe ihre eigene Praxis. Der Zahnarzt und die Zahnärztin sind besonders an Behandlungsmethoden interessiert, die den ursprünglichen Zahn erhalten. Weitere Informationen findet ihr hier:

Facebook: @BehrensSchwarzZahnmedizin

Instagram:  @Behrens_Schwarz_Zahnmedizin

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Obwohl beide nicht gerne im Rampenlicht stehen, haben sie viel Geld für Praxis-Marketing ausgegeben. „Das würde ich auch auf jeden Fall wieder so machen“, sagt Carlotta – insbesondere in Bezug auf eine hochwertige Internetseite. „Wenn jemand eine Ärztin oder einen Arzt sucht, dann meist über das Internet“, erklärt sie. Darüber hinaus haben sie ihre Praxis über Artikel in lokalen Wochenzeitungen beworben. Dadurch seien die ersten 150 Patient:innen auf die Praxis aufmerksam geworden. „Danach war es Mundpropaganda – und viel mussten wir eigentlich nicht mehr machen“, so Pirmin.

Mit Motivation und Durchhaltevermögen

Rückblickend ging es dann richtig schnell. „Mittlerweile sind wir sehr zufrieden“, sagt Carlotta. Pirmin fügt hinzu: „Wir sind inzwischen beide gut bestellt: Wir haben 1.100 Patient:innen, und jeden Monat kommen 50 bis 70 neue hinzu.“ Durchhaltevermögen sei sehr wichtig, da sind sich beide einig. „Das haben im Vorfeld alle zu uns gesagt, aber wenn man selbst in der Situation ist, kann es einem nicht schnell genug gehen“, erklärt Carlotta lachend. Ein Mantra zur Motivation erhielt Pirmin eher zufällig bei einem Besuch von einem Berater: „Ihr habt den Kredit von der Bank bekommen. Das hätten sie nicht gemacht, wenn ein Risiko bestünde – also macht euch keine Sorgen.“

Gründer Camp 2022

Carlotta Behrens und Pirmin Schwarz begeisterten beim Gründer Camp 2022. Sie gehörten zu den 8 Gründer:innen und zahlreichen Expert:innen, die praxiserprobte Gründungstipps preisgaben.

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