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Ein Modellstudiengang als Vorreiter für ganz Deutschland

Wie lässt sich das Zahnmedizinstudium zeitgemäßer gestalten? Der Modellstudiengang „iMED DENT“ hat darauf Antworten gefunden. Mitentwickler Zobair Ghafoor stellt den Studiengang vor und berichtet von seinen Erfahrungen.

Während meines Zahnmedizinstudiums in Hamburg merkte ich schnell, dass die Lehrinhalte im Regelstudiengang teils verbesserungsbedürftig sind. So standen das Erlernen und Beherrschen von Zahntechnik stark im Fokus der praktischen Kurse.

Neben dem Aspekt, dass durch solche Übungen unsere feinmotorischen Kompetenzen geprüft werden sollten, war mir bewusst, dass mir die hier erlernten Fähigkeiten auch im späteren Praxisleben als Zahnarzt zugutekommen würden. Vor allem würden mir diese dabei helfen, die vom Zahntechniker angefertigten Patientenarbeiten angemessen bewerten zu können.

Meiner Meinung nach wurde der Schwerpunkt in den praktischen Kursen allerdings zu stark auf die zahntechnischen Arbeiten gelegt, wohingegen die eigentliche Zahnmedizin in den ersten fünf Semestern zu kurz kam. Zudem beschäftigte mich die Tatsache, dass wir noch immer nach der im Jahr 1955 verabschiedeten Approbationsordnung studierten. Das erschien mir wenig zeitgerecht.

Umfassende Recherche für den Modellstudiengang

Als ich seitens der Uni gefragt wurde, ob ich an dem großen Projekt „Modellstudiengang Zahnmedizin Hamburg“ mitwirken möchte, war ich natürlich begeistert. So wurde ich Teil der „Projektsteuerungsgruppe“, die den Modellstudiengang entwickelte. Die Gruppe bestand ferner aus vielen Professoren und Dozenten aus allen Fachabteilungen des Universitätsklinikums sowie anderen Studierenden der Zahn- und Humanmedizin. Unser großer Vorteil bei der Erarbeitung eines Konzepts war, dass in Hamburg bereits der Modellstudiengang in der Humanmedizin erfolgreich entwickelt und etabliert worden war.

Mehr als zwei Jahre lang trafen wir uns regelmäßig in verschiedenen Gruppen, und der neuartige Studiengang nahm Schritt für Schritt Gestalt an. Um neue Ideen und Inspirationen zu sammeln, besuchten wir viele Universitäten in ganz Europa. So reiste ich beispielsweise mit einer kleinen Gruppenach London. Dort besichtigten wir das King‘s College im Guy‘s Hospital und bekamen so einen tollen Einblick in das Zahnmedizinstudium in England. Diese und weitere neue Erfahrungen aus unseren Reisen durch Europa ließen wir in den Entwicklungsprozess des Modellstudiengangs einfließen.

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Zobair Ghafoor

Zur Person:

Zobair Ghafoor hat Zahnmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf studiert und 2019 mit Examen abgeschlossen. Aktuell arbeitet er als Zahnarzt in Hamburg. Er gründete außerdem das Zahni-Netzwerk Tomorrowdent.

Uni
Vorlesung in der Uni

Schwachstellen erkannt und behoben

Ziel des neuen Modellstudiengangs sollte unter anderem die Verbesserung folgender Punkte sein:

  • Wichtige zahnmedizinische Fächer wie zum Beispiel die Kieferorthopädie, die konservierende Zahnheilkunde oder auch die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie werden im Regelstudiengang erst ab dem sechsten Semester vermittelt. Ebenso andere aus zahnmedizinischer Sicht relevante Fächer der Humanmedizin, wie etwa die Dermatologie oder die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
  • Der eigentliche Kontakt zu Patienten wird ebenfalls zu spät aufgebaut. Bei der Behandlung zu assistieren ist im Regelstudiengang ab dem sechsten Semester möglich, der Behandlungskurs beginnt erst ab dem siebten Semester. Erst durch diese aktive Arbeit am Patienten wird einem richtig bewusst, wie der praktische Alltag nach dem Studium aussehen wird. Dem Patientenkontakt müsste daher schon früher eine größere Relevanz zukommen. Viele Studierende bemerken sonst erst viel zu spät, dass der Beruf des behandelnden Zahnarztes doch nicht der ist, in dem sie sich zukünftig sehen.
  • Obwohl sehr viele Zahnmediziner nach ihrem Abschluss noch mit dem Titel Dr. med. dent. promovieren, mangelt es im Regelstudiengang an wissenschaftlich orientierten Arbeiten. Außerdem fehlen im Regelstudiengang Fächer wie Kommunikation oder Psychologie, die essenziell für den angemessenen Umgang mit Patienten sind.

Im Wintersemester 2019 ging der neue Modellstudiengang „iMED DENT“ in Hamburg erfolgreich an den Start. Obwohl die Präsenz- und damit vor allem die Praxislehre durch die Corona-Situation seit März 2020 sehr stark beeinträchtigt wurde, gab es bisher ausschließlich positives Feedback. Ich bin gespannt auf die kommende Zeit, aber auch sehr zuversichtlich, dass der in Hamburg entwickelte Modellstudiengang bald ein Vorreiter für ganz Deutschland sein wird.

Marie Staggenborg und Vanessa Dubbel haben sich für den Modellstudiengang „iMED DENT“ entschieden. Ihre Erfahrungsberichte zeigen, was den Studiengang besonders macht.

Der richtige Weg für meine berufliche Zukunft

Vanessa Dubbel, Zahnmedizinstudentin im Modellstudiengang „iMED DENT“ am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Nach nicht einmal anderthalb Jahren kann ich mit gutem Gewissen sagen: Ich bin sehr glücklich, mich für diesen Weg, speziell für den Modellstudiengang „iMED DENT“, entschieden zu haben. Vor allem die praxisorientierte Auslegung des Studiengangs gefällt mir sehr gut. Klinische Kurse und Fächer ab dem ersten Semester sowie der frühzeitige Patientenkontakt haben es mir besonders angetan.

Ein weiterer Vorteil des Modellstudiengangs ist die fächerübergreifende und interdisziplinäre Lehre. Die einzelnen Fächer und Inhalte sind passend aufeinander abgestimmt, wodurch ich als Studierende ein gutes Gespür bekomme, in welchen Bereichen ich das Gelernte später in meinem Beruf anwenden kann. Hierfür kann ich als Beispiel die Fächer Chemie, Physik und Biologie nennen, deren Themen von Beginn an auf den Zahn bezogen sind. Somit ist es beispielsweise kein trockener Physikunterricht, wie wir ihn noch aus der Schule kennen, sondern vielmehr ein Röntgenkurs mit allen praxisrelevanten physikalischen Bezügen.

Vanessa Dubbel

Impulse für den Umgang mit Patienten

Neben den inhaltlichen und strukturellen Vorteilen ist an dem Studiengang auch positiv, dass dem psychosozialen Aspekt ein großer thematischer Stellenwert zugeordnet ist. Das gefällt mir sehr gut. Wie gehe ich als angehende Zahnärztin mit meinen Patientinnen und Patienten um? Wie sieht eine angemessene Kommunikation zu meinen Patientinnen und Patienten aus? Mit diesen und weiteren wichtigen psychosozialen Fragen beschäftigen wir uns sehr intensiv, denn dieser breit gefächerte Themenkomplex zieht sich wie ein roter Faden durch unser gesamtes Studium.

Neu hinzugekommen ist in dem Modellstudiengang auch der große Fokus auf die Wissenschaft – ein für mich sehr sinnvoller Aspekt. Wir werden gezielt darauf vorbereitet, gut mit wissenschaftlichen Arbeiten während und vor allem auch nach unserem Studium umzugehen. Zudem gewinnen wir einen Einblick in aktuelle Forschungsprojekte der zahnmedizinischen Fachrichtungen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Das ist sehr interessant und hilft später dabei, Studien - sowie Doktorarbeiten selbstständig zu schreiben.

Einschränkungen durch Corona-Pandemie

Natürlich blieben auch wir in dem letzten Jahr von den Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht unberührt und konnten durch die Kontaktbeschränkungen zahlreiche praktische Kurse nicht durchführen. Trotzdem fühle ich mich weiterhin darin bestätigt, dass mein im Oktober 2019 gewählter Weg genau der richtige für meine berufliche Zukunft ist, und hoffe, dass wir das Studium wie ursprünglich geplant schnellstmöglich fortführen können.

Lernen, um als Zahnärztin erfolgreich zu sein

Marie Staggenborg, Zahnmedizinstudentin im Modellstudiengang „iMED DENT“ am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

 

Als ich im September 2019 den Zulassungsbescheid für das Zahnmedizinstudium in Hamburg erhielt, war meine Freude sehr groß. Endlich eine Zusage für meinen Traumstudiengang, und dann noch in einer der schönsten Städte Deutschlands mit einem renommierten Universitätsklinikum. Besser hätte es mich gar nicht treffen können. Dass sich der Studiengang für Zahnmedizin in Hamburg ab dem kommenden Semester grundlegend ändern sollte, war mir allerdings zunächst gar nicht bewusst. Als ich dann auf der Suche nach Informationen zu meinem Studium auf den Begriff „Modellstudiengang iMED DENT“ stieß, konnte ich damit erst einmal nicht viel anfangen. Nachdem ich mich jedoch etwas näher mit diesem Thema auseinandergesetzt hatte, klang dieses neue Konzept für das Zahnmedizinstudium nach einer wirklich spannenden Idee.

Marie Staggenborg

Klarer Bezug zur Zahnmedizin

Mein erster Eindruck bestätigte sich in der Einführungsveranstaltung. Zu Recht voller Stolz wurde uns der neue Modellstudiengang vorgestellt und sein komplexer Aufbau sowie auch die wichtigsten Unterschiede zum Regelstudiengang ausführlich erläutert. Mir wurde direkt klar, dass in dieses Projekt viel Arbeit und Zeit investiert worden war. Die Idee dieses durchdachten neuartigen Studiengangs machte großen Eindruck auf mich, und ich freute mich darauf, mit dem Beginn meines Studiums ein Teil dieser deutschlandweiten Premiere sein zu dürfen.

Im Verlauf der ersten drei Semester ist mir dann immer mehr bewusst geworden, wie stark sich der Modell- vom Regelstudiengang unterscheidet und was diese Veränderung bedeutet.

 

Das Prinzip: Jedes Semester beinhaltet zwei aufeinanderfolgende Module, wobei jedes Modul unter einem aus zahnmedizinischer Sicht relevanten Oberthema steht. Das Thema wird hierbei aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und sowohl theoretisch als auch im Zuge verschiedener Praktika vermittelt. Anstatt also beispielsweise naturwissenschaftliche Grundlagen zu lehren, in denen man kaum den Sinn und Nutzen für den späteren Berufsalltag sehen kann, werden diese schon von Anfang an immer in Bezug zur Zahnmedizin gesetzt. Auch haben wir bereits ab dem ersten Semester Vorlesungen und Praktika in der Kieferorthopädie. Das finde ich sehr interessant, da man viel über medizinische Grundlagen erfährt, wie etwa zu den Themen Schädel- und Gesichtsentwicklung oder Kieferwachstum. Anatomie ist ebenfalls von Beginn an sehr präsent, wobei bereits ab dem zweiten Semester das Präparieren auf dem Stundenplan steht.

Praktischer Nutzen steht im Fokus

Besonders bemerkbar macht sich der Unterschied zum Regelstudiengang in den Fächern der Zahnerhaltung und der Prothetik. So gibt es bei uns keinen typischen TPK oder Phantomkurs. Viele zahntechnische Arbeiten, die für das spätere Berufsleben als Zahnarzt eher geringe Bedeutung haben, fallen in den praktischen Kursen weg. Stattdessen geht es bereits im zweiten Modul des ersten Semesters mit dem Üben des Präparierens am Präparationstrainer los. So wird man Schritt für Schritt an das Ganze herangeführt und bekommt schon früh ein Gefühl für den Bohrer. Im dritten Semester haben wir dann bereits im Phantomkopf und an extrahierten Zähnen verschiedene Kavitäten präpariert und Amalgam- sowie Kompositfüllungen gelegt.

Insgesamt habe ich das Gefühl, im Modellstudiengang von Anfang an Inhalte und Tätigkeiten zu lernen, die für mein späteres Berufsleben bedeutsam sind. Für mich persönlich ist dies beim Vor- und Nachbereiten eine große Motivation, da ich nicht nur lerne, um Klausuren zu bestehen, sondern auch, um später als Zahnärztin erfolgreich zu sein.