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Praxisgründung Dr. Katharina Kemper

„Man sollte für seine Vorstellungen kämpfen!“

Nach etwa einem Jahr Verzögerung konnte Dr. Katharina Kemper im Januar 2022 endlich ihre eigene Praxis eröffnen. Ihr Praxiskonzept stand zwischenzeitlich zur Debatte, doch sie blieb eisern.

Am Anfang schien alles ganz einfach: Dr. Katharina Kemper hatte Räumlichkeiten für ihre Praxis im zweiten Stockwerk eines Neubaus gefunden, alles war perfekt geplant. Doch als der vom Vermieter beauftragte Architekt ihr die fertigen Pläne zurückschickte, war sie geschockt: „Er hatte meinen schönen Plan genommen, ihn einmal geschüttelt und in sein 08/15-Raster gesetzt. Ich war am Boden zerstört“, sagt die Zahnärztin. Der Grund für die Veränderung erschloss sich ihr erst später: Der Vermieter hatte ihre Praxis vom zweiten in das erste Stockwerk verlegt. Dieses ist kleiner, die Räume sind anders angeordnet.

 

Von ihrer Wunschvorstellung abzuweichen, kam für Dr. Kemper trotz der neuen Räumlichkeiten nicht in Frage. „Entweder es funktioniert so, wie ich es gerne hätte, oder es funktioniert gar nicht“, habe sie damals gedacht – und sich prompt noch einmal mit den Dentalplaner:innen von Henry Schein Dental zusammengesetzt. „Wir haben von vorne angefangen, und letzten Endes wurde es so, wie ich es wollte“, sagt sie, sichtlich zufrieden. Und damit ist sie nicht allein: „Inzwischen sagen auch der Architekt und der Vermieter: ‚Oh, das ist so schön geworden, Gott sei Dank haben Sie uns überzeugt!‘“


„Auch wenn es elendig anstrengend war: Wenn man klare Vorstellungen hat, sollte man dafür kämpfen!“

Dr. Katharina Kemper
Praxisgründerin

Der Standort zählt

Dass sie sich irgendwann mit eigener Praxis selbstständig machen wollte, war Dr. Kemper schon im Studium klar: „Ich wollte immer allein für meine Entscheidungen verantwortlich sein, sie allein treffen können und müssen.“ Dabei war für sie neben einer Neugründung auch eine Übernahme denkbar – zumindest am Anfang. „Ich konnte mir beides vorstellen, habe aber schnell gemerkt, dass die Praxen, die ich mir angesehen habe, nicht in Frage gekommen wären“, sagt sie. Nachdenklich fügt sie hinzu: „Vielleicht wusste ich innerlich schon immer, dass ich meine Vorstellungen nur mit einer Neugründung umsetzen kann.“

 

Im Sommer 2019 begann die junge Zahnärztin mit der Planung der Neugründung. Bei der Standortsuche war ihr vor allem eine Frage wichtig: „Kann ich mich von dem abheben, was es hier schon gibt?“ So entschied sie sich gegen eine Praxis in ihrem Wohnort Freiburg im Breisgau. Zu viele Zahnärzt:innen, zu großes Angebot. Ihre Wahl fiel auf die nahe gelegene Stadt Breisach am Rhein. Dort wurde zu diesem Zeitpunkt ein neues Gesundheitszentrum gebaut, in dem sie passende Räumlichkeiten fand. Die Eröffnung war für Anfang 2021 geplant. Durch die Coronakrise verschob sich der Termin, aber am 24. Januar 2022 konnte Dr. Kemper in ihrer neuen Praxis endlich die ersten Patient:innen behandeln.

Traumpraxis mit Stehempfang

Doch das Warten hat sich gelohnt. Auf den 240 Quadratmetern ihrer neuen Praxis „Mundgesundheit Rheinbrücke“ hat Dr. Kemper drei Behandlungszimmer, ein eigenes, gut ausgestattetes Labor und ein Beratungszimmer untergebracht. Auch für die Zukunft sieht sich die Zahnärztin gut vorbereitet. Bei Bedarf kann sie drei weitere Behandlungszimmer in Betrieb nehmen. Bei der Praxiseinrichtung dominieren die Farben Grau und Dunkelrot – nicht nur im öffentlichen Bereich, sondern auch in den Räumlichkeiten für die Belegschaft.

 

Eine offene Atmosphäre erreichte sie durch den Einsatz von Glas für die Außen- und Innenwände von Behandlungszimmern, Beratungsraum und Wartezimmer. Besonders gut findet sie dabei die Schiebetüren: „Alle verfluchen mich dafür, aber ich liebe sie. Der Platzgewinn ist einfach Gold wert“, sagt Dr. Kemper. Auch die Rezeption hat es ihr angetan. Diese habe sie „ganz bewusst als Stehempfang gestaltet“. Dadurch würden die Patient:innen nicht mit vollen Schreibtischen konfrontiert – und sie würden „im Stehen und auf Augenhöhe freundlich empfangen“. Für die administrativen Aufgaben gibt es einen eigenen Raum.

Start mit Personalhürden

Vor der Eröffnung sah sich die Zahnärztin mit einigen Problemen konfrontiert. Als Neugründerin brauchte sie Personal pünktlich zum Praxisstart. Sie fragte sich: „Wo mache ich meine Bewerbungsgespräche? Die Praxis ist noch eine Baustelle, da ist es verboten. In einem Restaurant? Die machen in Breisach meistens erst abends auf …“ Zum anderen sei da der allgemeine Fachkräftemangel gewesen. „Ich hatte drei vielversprechende Kandidat:innen, die mir aber alle kurz vor der Eröffnung abgesagt haben. Im Dezember 2021 stand ich ohne Personal da.“

 

In dieser Notlage hatte Dr. Kemper die Praxis bereits so eingerichtet, dass sie im Ernstfall allein hätte behandeln können. Doch dann spielte ihr der Zufall in die Hände. „Spaßeshalber und aus Verzweiflung“, so sagt sie, habe sie einen der Monteure gefragt, ob ihm jemand Geeignetes einfalle. Die Antwort: Ja! „Einen Tag später hatte ich die Bewerbung auf dem Tisch – und die Bewerberin hat sogar noch jemand mitgebracht. Damit hatte ich meine zwei Vollzeitkräfte: eine Zahnmedizinische Prophylaxeassistentin und eine Zahnmedizinische Fachangestellte. Das war traumhaft!“, schwärmt die Zahnärztin.

Zur Person

Dr. Katharina Kemper hat ihr Zahnmedizinstudium in Freiburg im Breisgau absolviert und im Jahr 2013 abgeschlossen. 2018 erwarb sie ihren Doktortitel. Berufserfahrung sammelte sie unter anderem während ihrer Zeit als angestellte Zahnärztin in Lahr/Schwarzwald. Im Alter von 32 Jahren eröffnete sie in Breisach am Rhein ihre eigene Praxis. Die Zahnärztin begeistert sich besonders für Endodontologie und Parodontologie sowie für die digitale Zahnheilkunde. Weitere Informationen findet ihr hier:

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Verdienter Erfolg

Fast wäre daraus allerdings ein Albtraum geworden. Nach der Eröffnung am 24. Januar behandelte das Praxisteam eine Woche lang, unterstützt von einer Empfangskraft. Doch direkt sonntags erreichte Dr. Kemper eine schlechte Nachricht: Ihre zwei Vollzeitkräfte hatten sich krankgemeldet. „Die Wochen zwei und drei habe ich dann komplett allein mit meiner Empfangskraft durchgezogen“, sagt sie.

 

Inzwischen sei das Personalproblem aber im Griff. Sie habe viele Bewerbungen bekommen, sagt sie – und sogar schon zwei zusätzliche Vollzeitkräfte eingestellt. Auf Nachfrage zeigten sich viele Bewerber:innen begeistert von der detaillierten Stellenbeschreibung, die sie veröffentlicht hat. „Anscheinend war das sehr ansprechend“, sagt sie freudig. Dass sich das Terminbuch erst nach und nach füllt, bringt sie nicht aus der Ruhe. „Solange weiter neue Patient:innen kommen, bleibe ich entspannt“, sagt Dr. Kemper – und kommentiert ihre Erfahrungen während der Planung und Gründung ihrer Praxis keck: „Man muss ein bisschen einen Hintern in der Hose haben, um eine Neugründung zu wagen.“

Gründer Camp 2022

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