
Dieser Artikel gibt dir deshalb eine fundierte, aber praxisnahe Übersicht über die wichtigsten Mikronährstoffe in der Zahnmedizin – mit Fokus auf Relevanz für deinen Praxisalltag.
Vitamin D – Regulation von Entzündungen und Knochenstoffwechsel
Außerdem beeinflusst der Vitamin-D-Spiegel den Calcium- und Phosphatstoffwechsel und die Osteoblasten- und Osteoklastenaktivität und ist damit ein wichtiger Faktor für die Osseointegration in der Implantologie.
Mehrere systematische Reviews zeigen zudem, dass niedrige Vitamin-D-Spiegel mit einer erhöhten Prävalenz und Schwere von Parodontitis assoziiert sein können.2
In Deutschland ist ein suboptimaler Vitamin-D-Spiegel allerdings keine Seltenheit – besonders in den Wintermonaten. Auch wenn ein Screening nicht zur zahnärztlichen Routine gehört, solltest du bei Patient:innen mit behandlungsresistenter Parodontitis, verzögerter Wundheilung oder mehrfachen Implantatproblemen also zumindest einmal an das systemische Umfeld denken.
Vitamin K2 – wichtiger Co-Faktor im Calciumstoffwechsel
Vitamin K2 gilt im Allgemeinen als sicher, jedoch ist zu beachten, dass es bei der Einnahme von bestimmten Blutgerinnungshemmern (Cumarinderivate wie Marcumar/Warfarin) kontraindiziert ist, da es deren Wirkung aufheben kann.3
Omega-3-Fettsäuren – Entzündungsmodulation statt nur Plaquekontrolle
In Studien wurde gezeigt, dass Omega-3 als adjuvante Maßnahme zur nichtchirurgischen Parodontaltherapie positive Effekte auf Entzündungsparameter und Sondierungstiefen haben kann.5
Gerade bei Patient:innen mit chronischen Entzündungserkrankungen, metabolischem Syndrom oder Diabetes ist dieser Zusammenhang spannend.
Calcium – Mehr als nur Knochen
Ein chronisch niedriger Calciumstatus – insbesondere in Kombination mit Vitamin-D-Mangel – kann daher die Knochenstabilität und somit besonders die implantologische Behandlung beeinflussen.
Vitamin C, Zink und Magnesium – unterschätzte Bausteine der Regeneration
Vitamin C beispielsweise ist zentral für die Kollagensynthese. Ohne ausreichend Vitamin C kann kein stabiles Bindegewebe entstehen. Ein schwerer Mangel führt zu Skorbut – eine Erkrankung mit ausgeprägten gingivalen Veränderungen. Aber auch schon ein geringer Mangel kann die Gewebestabilität und -regeneration beeinflussen.6
Zink wiederum ist essenziell für Zellteilung, Wundheilung und Immunfunktion. Ein Zinkmangel kann sich unter anderem in verzögerter Wundheilung und Schleimhautveränderungen zeigen. Auch Geschmacksstörungen können assoziiert sein.7
Magnesium wirkt als Co-Faktor in zahlreichen enzymatischen Prozessen und ist an der Aktivierung von Vitamin D beteiligt. Ein isolierter Blick auf Vitamin D ohne Berücksichtigung von Magnesium greift daher biologisch zu kurz.8
Gerade bei einer Supplementierung spielt das Zusammenspiel beider Stoffe eine wichtige Rolle. Neuere Studien zeigen außerdem, dass Magnesium möglicherweise auch eine Rolle im Zusammenhang mit der Kariesprävention spielen könnte.9
Wann ist eine Labordiagnostik sinnvoll?
Die Bestimmung von Mikronährstoffspiegeln gehört nicht zur gesetzlichen Kassenleistung im Rahmen einer zahnärztlichen Standardbehandlung. Es handelt sich in der Regel um Selbstzahlerleistungen.
- therapieresistenter Parodontitis
- auffälliger Wundheilung
- wiederholten Implantatkomplikationen
- stark entzündungsgeprägten Verläufen
- bekannten systemischen Risikofaktoren
Wichtig ist die interdisziplinäre Kommunikation. Zahnärzt:innen stellen keine internistische Diagnose, aber sie können auf mögliche Zusammenhänge hinweisen.
Mikronährstoff-Analyse im Behandlungsalltag implementieren
So kannst du dich als Zahnärzt:in als moderne:r Gesundheitsberater:in etablieren und das Vertrauen deiner Patient:innen stärken.
Praktisch kann die Implementierung so aussehen:
- Anamnese erweitern (Abfrage der Ernährungsgewohnheiten oder bekannten Mängeln)
- Risikopatient:innen identifizieren (Parodontitis Grad C, Raucher:innen, Diabetiker:innen, ältere Patient:innen)
- Interdisziplinär arbeiten (mit Hausärzt:innen oder Internist:innen)
- Dokumentation (Empfehlungen sollten nachvollziehbar dokumentiert werden)
Wichtig ist: Du diagnostizierst keinen Mangel ohne entsprechende Befunde und gibst idealerweise keine pauschalen Supplementempfehlungen ohne Rücksprache.
Fazit
Gute Idee – das wirkt sofort ausgewogener und seriöser, wenn auch Vitamin C, Zink oder Magnesium mit Literatur hinterlegt sind. Ich habe dir drei gut zitierbare Reviews bzw. Studien herausgesucht, die wirklich zu deinem Text passen und aus seriösen Journals stammen.
Quellen
- Ziada S. et al. (2025). Vitamin D deficiency and oral health: a systematic review. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11959803/
- Machado V. et al. (2020). Vitamin D and Periodontitis: A Systematic Review and Meta-Analysis. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32708032/
- Booth SL, Al Rajabi A. (2008) Determinants of vitamin K status in humans. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18374187/
- Kujur SK, Goswami V, Nikunj AM, Singh G, Bandhe S, Ghritlahre H. (2020) Efficacy of omega 3 fatty acid as an adjunct in the management of chronic periodontitis: A randomized controlled tria https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32436902/
- Chiluveru S. et al. (2024). Resolvins in Periodontitis and Possible Therapeutic Implications. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11439191/
- Tada A, Miura H. (2019) The Relationship between Vitamin C and Periodontal Diseases: A Systematic Review. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6678404/
- Prasad A.S. (2014). Zinc is an antioxidant and anti-inflammatory agent: its role in human health. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25988117/
- Uwitonze A.M., Razzaque M.S. (2018). Role of magnesium in vitamin D activation and function. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29480918/
- Stawarz-Janeczek M, Curlej-Wądrzyk A, Pytko-Polończyk J. (2024) The role of magnesium in the prevention and treatment of dental caries - the latest research. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39970359/
